Mahnwache für Politkowskaja

Vor kurzem schrieb ich in einem Beitrag über den Mord an der Journalistin Anna Politkowskaja. Im Fall gibt es anscheinend immernoch keine Fortschritte. Umso mehr hat es mich gefreut, als ich von einer Aktion von Amesty International und Repoter ohne Grenze am 16.11.2006 erfuhr: in Mahnwachen vor russischen Vertretungen in mehreren Städten, u.a. München, Leipzig und Berlin, forderten sie von Rußland eine Aufklärung des Mordfalls und Schutz für Menschenrechtsverteidiger und Journalisten. Das Programm der Mahnwache ist natürlich verlinkt.

Auch wenn die Aktion schon vorbei ist, war es mir wichtig darauf hinzuweisen. Zu viele Geschichten werden in den Medien hochgespielt und nach zwei Wochen interessiert sich keine Menschenseele mehr dafür. Politiker wie Medien haben ihren Tod beklagt und von Russland eine schnelle Aufklärung gefordert. Mittlerweile scheint ihnen dieses Anliegen aber nicht mehr wichtig. Vielmehr freut man sich über den WTO-Beitritt von Rußland.

NACHTRAG:

Anscheinend tut sich doch was in den Ermittlungen, das deuten zumindest ein SZ- und ein Spiegel-Artikel an: In London ringt ein ehemaliger FSB-Agent (Nachfolgeorganistaion des KGB) nach einem Giftanschlag um sein Leben. Hintergrund der Tat sind wahrscheinlich seine Bemühungen des Fall aufzuklären. Er ist gegen die Putin-Regierungen und den Tschetschenien-Krieg.

Über die Hintergründe ist offensichtlich noch nichts bekannt, auch wenn laut Spiegel wahrscheinlich der SFB selbst hinter dem Anschlag steckt.

2 Reaktionen zu “Mahnwache für Politkowskaja”

  1. dancingD

    Hallo Herr Schall,

    ich bin über die Seite toleranz.om auf die ihrige gestoßen und möchte mich ihrer Meinung anschließen, dass Rußland wohl hier etwas vertuschen möchte. Gerade im Zusammenhang mit Tschetschenien läuft dort schon seit einiger und wohl noch einige Zeit etwas schief bzw missachtet das russische Regime ne Menge Menschenrechte. Das ungewöhnliche daran sehe ich darin, dass dies quasi komplett ohne Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit von statten geht. Ich möchte keinen großen Artikel über Ursachen schreiben, allerdings ist es verwunderlich, dass Rußland der wohl wichtigste Öllieferant für zum Beispiel Deutschland ist (http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2006-11/artikel-7253088.asp)… Krieg wegen Öl? Moment, das erinnert mich an irgendwas…
    Ich bin auch der Meinung, dass man bei obengenammtem Fall nochmals nachhaken muss. Wenn Rußland mit uns (Wir sind Deutschland) handel betreiben will, ist es notwendig, dass sie gewisse Dinge wie Rechtsstaat zumindest anstreben!

  2. karlschall

    Hi dancingD,

    erstmal vielen Dank für deinen Kommentar!

    Da ist wohl einiges faul im Staate Rußland - aber auch in Deutschland. Wie ich finde sollten wirtschaftliche Interessen nicht über der Moral stehen. Da spielt Gas und Öl im Fall Deutschland/Rußland eine wohl nicht ganz unerhebliche Rolle wie du da richtig festgestellt hast. In diesem Zusammenhang sollte v.a. die Person Schröder nicht vergessen werden, der jetzt wohl mit seinem Posten bei Gazprom von seinem Engagement als Bundeskanzler in die Richtung ganz entscheidend profitiert. (Mal nebenbei: die Verschränkung von Politik und Wirtschaft finde ich sehr bedenklich) Der Werbe-Deal mit Schalke 04 passt da auch wieder super ins Konzept, bei dem Schröder auch seine Finger im Spiel hatte. Gazprom steht als tolles Unternehmen da, Schalke kriegt ordentlich Geld - kurz: alle sind glücklich und zufrieden. Das wohl ein Teil der Gelder auch aus dem Lieferstopp gegen die Ukraine stammen interessiert nicht mehr.

    Deinem Schlusswort kann ich mir nur anschließen: wenn Staaten mit uns handeln wollen, dann sollen auch deren Bürger dran profitieren: mehr Menschenrechte, mehr Einkommen, mehr Demokratie.

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