Denken in Beispielen

http://members.telering.at/pat/watz.jpg Manchmal kann man dem Tod etwas positives abgewinnen: wenigstens erinnert man sich wieder an die verstorbene Person. Leider ist es oft so, das tote Menschen viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen, obwohl sie doch Großes geleistet haben. Auf der anderen Seite kann ich jeden verstehen, der sich lieber mit Lebenden unterhält, als sich mit Toten zu beschäftigen.

Einer der heute in mein Erinnerung getreten ist, ist der am 31.03.2007 verstorbene konstruktivistische Psychologe Paul Watzlawick. Er war der Autor des berühmten Buches ‘Anleitung zum Unglücklichsein’ und Erfindern der Kommunikationstheorie. Die SZ würdigte ihn heute mit einem Artikel, in der eine tolle Geschichte von seinem ‘Denken in Beispielen’ zu finden ist:

Die Geschichte handelt von einem Mann, der alle 10 Sekunden in die Hände klatscht. Auf die Frage warum er das mache, antwortet er: ‘Um die Elefanten zu verscheuchen.’ Den Hinweis, es gebe hier doch keine Elefanten kontert er mit dem Ausruf: ‘Na, also! Sehen Sie?’

Nachtrag: In einem Artikel der ‘Zeit’ findet sich auch ein sehr amüsantes Exemplar für Watzlawick’s ‘Denken in Beispielen’. Dabei geht es um kulturelle Dissonanzen, dargestellt am unterschiedlichen Poussierverhalten von Amerikanern und Engländerinnen während des 2. Weltkriegs :

Während z. B. das Küssen in Amerika relativ früh kommt, tritt es im typischen Paarungsverhalten der Engländer relativ spät auf. Praktisch bedeutete dies, dass eine Engländerin, die von ihrem amerikanischen Soldaten geküsst wurde, sich nicht nur um einen Großteil des für sie intuitiv ‚richtigen‘ Paarungsverhaltens betrogen fühlte, sondern zu entscheiden hatte, ob sie die Beziehung an diesem Punkt abbrechen oder sich dem Partner sexuell hingeben sollte. Entschied sie sich für die letztere Alternative, so fand sich der Amerikaner einem Verhalten gegenüber, das für ihn durchaus nicht in dieses Frühstadium der Beziehung passte und nur als schamlos zu bezeichnen war. Die Lösung eines solchen Beziehungskonflikts durch die beiden Partner selbst ist natürlich deswegen praktisch unmöglich, weil derartige kulturbedingte Verhaltensformen und -abläufe meist völlig außerbewusst sind.

Jetzt muss ich bloß noch eine Engländerin finden um das Wissen auch umzusetzten :)

2 Reaktionen zu “Denken in Beispielen”

  1. Daniel

    (Karlskolumne -> Der Nachtuf-Blog, nicht bös gemeint, weiter so.)

    Paul Watzlawick. Anleitung zum Unglücklichsein, ein Wahrsinns-Buch. Mit unglaublich viel Witz und einfach nur unglaublich empfehlenswert. Eigentlich was für ne gemeinsame Zitatesammlung, mal sehen ob ich Zeit find…

  2. karlschall

    Oh Mann, ich glaub ich muss mich echt mal den lebenden Menschen zu wenden :-) Gerade beschäftige ich mich mit Charles de Gaulle, auch ein ziemlich cooler Kerl, aber leider auch schon Tod … ;-)

    Paul Watzlawick-Zitatesammlung? Ich wäre dabei, sehr geile Idee!

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